Narrensamen

Narrensamen 2015

 

Unser Narrensamen ist vermutlich die "ehrlichste" und bunteste Laufgruppe der Narrenzunft Tübingen.

Da unsere Kleinen i. d. R. noch keine Holzmasken tragen können, darf man dafür stets in ihre freudigen Gesichter beim Sprung auf den Umzügen blicken.

 

Was ist überhaupt ein Narrensamen?

Wenn ein aktives Mitglied einer Laufgruppe Nachwuchs bekommt, wird das Kind, wenn erwünscht, automatisch ein Mitglied dieser Laufgruppe.

Natürlich sind auch neue Mitglieder mit Kindern in der NZT erwünscht, die dürfen natürlich auch mitlaufen.

 

Während des Umzugs bleiben die vier Laufgruppen normalerweise beisammen, die Kleinen laufen aber bunt gemischt vor den Maskenträgern.
Dies hat zwei Gründe:
Zum einen geht es um die Sicherheit. Die Maskenträger haben ein sehr eingeschränktes Sichtfeld unter ihrer Holzmaske. Ein Kind, das durch die Gruppen springt, kann hier leicht in einen toten Winkel geraden und übersehen werden.

Und zum anderen bringt es den Kleinen mehr Freude und Abwechslung, wenn sie mit Gleichaltrigen aus den anderen Gruppen, voller Stolz gemeinsam den Umzug anführen dürfen

 

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Die Passiven

Unseren passiven Mitglieder sind bei uns keines Wegs "die graue Eminenz" im Hintergrund.Ganz im Gegenteil: Sie sind trotz der Bezeichnung "Passive" ein unersetzlicher Teil unseres Vereins und haltenan vielen organisatorischen und arbeitsintensiven Schnittstellen unsere Zunft am Laufen.

In der Narrenzunft Tübingen sind die Passiven eine bunte Truppe aus ebenfalls fasnetsbegeisterten Menschen, die ihre Teilhabe an der Tradition auch ohne das Führen einer Maske im Verein ausleben möchten.

Manche sind hier als Elternteil von jungen Mitgliedern dabei, andere sind Partner, Ehepartner oder einfach nur gute Freunde, die für uns unentberlich sind und auf die man sich verlassen kann.
Das einzige, was einen Passiven von einem Aktiven trennt, ist die Maske und das Häs - an Überzeugung und Engagement sind wir uns hier aber stets alle ebenbürtig.

 

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Närrele und Narro

Das Tübinger Närrele ist ein traditioneller schwäbisch-alemannischer Weißnarr mit Schellen. Die Larve (Maske) ist einer Graumalerei von Jakob Züberlin nachempfunden, zu sehen ist sie im Vorzimmer des Oberbürgermeisters. 

Der zweiteilige Körperanzug wird vom Hästräger in Handarbeit mit Textilfarben bemalt. Auf den Hosenbeinen und Ärmeln ranken sich Weinreben mit blauen Trauben und saftiggrünen Blättern empor. Den Saum ziert jeweils eine gelb/rote Zickzack-Borte, deren Farbgebung sich an den Farben des Tübinger Stadtwappens orientiert (Zackenhöhe 3 cm).

Der Kittel trägt auf der Vorderseite eine Ansicht des Schlosses Hohen-Tübingens aus dem 16. Jahrhundert. Der Rücken zeigt das Wappen Tübingens aus jener Zeit (vgl. Vorlagen).

 

Das Tübinger Närrele trägt eine glatte Holzlarve in heller hautfarbener Fassung, deren Stirn ein kleiner rot/gelber Spitzhut ziert. Das Larventuch besteht aus weißem Körperstoff, der am unteren Saum wiederum mit einer gelb/roten Zickzack-Borte versehen wird. Den Kopfputz bilden mehrere Straußenfedern. Am Kopf des Närreles hängt an beiden Seiten jeweils ein etwa 5 cm-breites und 20 cm-langes weißes Band mit Glöckchen herab.

Das Tübinger Närrele trägt auf Umzügen zwei sich überkreuzende Schellengurte mit je fünf Schellen. Das Häs wird durch weiße Handschuhe und schwarze, schmucklose Stiefel vervollständigt.Die Schellengurte sind ebenfalls handgefertigt und unverwechselbar, wenn sie durch die Tübinger Altstadt klingen.

 

Graumalerei aus dem Jahre 1596

Die Närrele sind in ihrer Gruppenzahl nicht limitiert und würden sich über neue Mitglieder sehr freuen.
Traditionelle Figuren wie das Närrele sind heute wichtiger denn je, da sie die Ursprünge verkörpern.Sie folgen nicht dem aktuellen Trend der teilweise sehr übertrieben böse dargestellten Horror- und Dämonenfiguren, die mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet nichts zu tun haben.

 

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Tübinger Raupa

Der Tübinger Weinbauer, der im schwäbischen Gôg genannt wird, stellt das mittelalterliche Gegenstück zum hochgebildeten Universitätsgelehrten dar.

 

Wenn das Tübinger Närrele eine schwäbisch-alemannische Traditionsfigur darstellt, dann verkörpern unsere Raupa den einzigartigen, etwas einfachen und frechen Weinbauern, der es immer geschafft hat, der hohen akademischen Elite den Spiegel vorzuhalten und sich nicht hat unterkriegen lassen.

 

Die liebvoll geschnitzte Holzmaske ziert sowohl ein Weinblatt, Weintrauben und bei näherer Betrachtung "entpuppt" sich die knollige Trinkernase als eine dicke Raupe - die als Pate für den Namen unserer Gruppe fungiert hat. Die Gôgen bezeichneten sich ihrerseits früher selbst als "Raupa".

Das Häs ist einer traditionellen bürgerlichen Festtagsbekleidung der Weingärtner aus dem späten 16. Jahrhundert nachempfunden.

 

Geschichtlich gesehen liegt hier ebenfalls eine leider kaum bekannte Tatsache vor:
Die Winzer aus eben jender Zeit, zogen mit ihrer "Zunft", sozusagen der Vereinigung der Tübinger Weinbauern, bereits im 16. Jahrhundert um die Fasnetszeit durch die Gassen der Tübinger "Unterstadt". Diese, vom damaligen Universitätskanzler als "heidnisches, spöttisches Treiben" bezeichneten, Umzüge waren der Ursprung einer auch im protestantischen Tübingen angesiedelten Fasnachtskultur. Im Zuge der aufblühenden Akademisierung war diese Tradition nach Meinung der hohen Universitätsherren nicht länger mit den elitären, bildungsbürgerlichen Ansprüchen der Universitätsstadt Tübingens zu vereinbaren und wurde kurzerhand vom Universitätskanzler verboten.

Die Fasnet war schon immer ein Sprachrohr der einfachen Leuten, die ihnen Gelegenheit bot, sich gegen die herrschende Obrigkeit oder politische Situation durch närrischen Spot Luft zu verschaffen und ungeahndet frech und neckisch sein zu dürfen.

Wer einer Tübingen Raup genau in ihr Antlitz blick, der wird diesen närrischen, aber liebvollen Hohn und Spott sofort erkennen.
Die Raupa sind in der schwäbisch-alemannischen Fasnet eine Figur, die ein Alleinstellungsmerkmal aufweist - denn nur in Tübingen ist ein Gôg - sprich eine Raup, zu Hause.

Unsere Raupa freuen sich stets über Zuspruch, den Kontakt mit fasnetsinteressierten Zuschauern und Gästen sowie natürlich auch über wachsende Mitgliederzahlen - ein Gôg ist stets gesellig und nie gern allein!

 

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Schwarze Männle

Die Entstehung der "Tübinger Schwarze Männle" liegt einer Tübinger Sage zu Grunde.
 
Eine Hausfrau in Tübingen hatte einmal eine große Wäsche vor und wollte schon frühmorgens damit anfangen und sagte der Magd, sie sollte doch ja die Zeit nicht verschlafen. Nein, sagte die Magd, das wollte sie gewiß nicht, und nahm sich, ehe sie einschlief, recht fest vor, daß sie beizeiten aufwachen wollte; und da wachte sie auch schon mitten in der Nacht wieder auf, meinte aber, es sei schon ganz spät und sprang deshalb flink zum Bett heraus, zog sich an und ging in die Waschküche.

Als sie die Tür aufmachte, erstarrte sie wie eine Salzsäule vor Schreck und Angst. Die Küche war von einem grellen Licht durchleuchtet, das keineswegs irdischer Natur sein konnte. Als die Magd durch die erleuchtete Küche ging konnte sie die Ursache des Ereignisses erkennen. Um den Herd saßen mehrere "Schwarze Männle" und mitten unter ihnen standen mehrere große Töpfe. 

Magd, Einzelfiguren der Schwarzen Männle, Narrenzunft Tübingen Einzelfigur Magd

Erschreckt aber doch neugierig betrachtete sie die Gestalten näher, konnte es aber kaum fassen was dort vorging.
In ihren kurzen, schwarzen Hosen und dem edlen Frack saßen sie da und beäugten aufgeregt die "verwirrte" Magd. Sie waren gekleidet wie Adelsmänner, teure Schnallenschuhe, ein goldverzierter Gürtel und einen schwarzen Filzhut.
Doch es waren keine Adelsmänner sondern furchterregende Gestalten, deren Gesicht einem bösartigen und mysteriösen Gnom glichen. Herausstechende, blitzende Augen, eine breite Nase, messerscharfe, strahlende Zähne, spitze Ohren, einen Ziegenbart und lange, zottelige schwarze Haare.

Die "Schwarzen Männle" gaben der Magd Zeichen, daß sie doch zu ihnen kommen solle. Durch weitere Winke und Handzeichen machten sie der Magd klar aus was ihre Aufgabe bestand; glühende Kohlen mit einer Schaufel in die Töpfe zu werfen. Die gute Magd führte die Aufgabe aus und plötzlich waren die finsteren Gestalten wie vom Erdboden verschwunden.
 
Die Magd hatte aber einen solchen Schrecken bekommen, daß sie kaum noch ihren Hausherrn wecken und ihm erzählen konnte, was sie gesehen hatte; dann mußte sie sich wieder ins Bett legen und war mehrere Tage lang recht krank. Am anderen Morgen, als der Hausherr die Waschküche untersuchte, sah er, daß die Feuerkohlen in den Häfen in helles, blankes Gold verwandelt waren, das er jedoch nicht anfassen wollte.
 
Als es am nächsten Tage aber immer noch da war, glaubte er es nehmen zu dürfen und brachte es der kranken Magd, die nun unermeßlich reich geworden war. Und weil sie schon lange den Sohn ihres Hausherrn ganz still lieb gehabt hatte - und er sie - hatte der Vater jetzt nichts mehr dagegen, daß die Beiden sich vermählt haben.

 

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Stadthexa

Die Entstehung der "Tübinger Stadthexa" geht ungefähr in das Jahr 1980 zurück. Damals wurde von Herrn Adis, dem Schnitzmeister der "Rottenburger Ahlande", eine Schnitz-AG im Wildermuth Gymnasium Tübingen angeboten.Nachdem die ersten Masken fertiggestellt waren, wurde das Fasnets-Brauchtum in Tübingen durch drei Lehrer des Wildermuth Gymnasiums (Herr Adis, Herr Nowak und Herr Schaf) ins Leben gerufen, indem sie immer am letzten Schultag vor den Fasnetsferien im Häs durch die Schule sprangen und die Schüler aus dem Unterricht befreiten. Später kamen dann auch Schüler hinzu, die diesen Brauch aufnahmen und weiterführten.
 

Die Masken und das Häs wurden und werden von ihren Trägern nach eigenen Entwürfen selbst geschnitzt und zusammengestellt. Es wird auch darauf geachtet, daß keine Maske der anderen gleicht.
 
Im Jahre 1982 war die Zahl der Masken und das Interesse am Fasnets-Brauchtum so stark gewachsen, daß man erstmals als "wilde Gruppe" beim Rottenburger Umzug teilnehmen konnte. Dort wurden die weiteren Kontakte geknüpft, so daß man bald regelmäßig auf den Umzügen in den umliegenden Gemeinden teilnahm. Zu dieser Zeit nannte sich die Gruppe in Anlehnung an ihren Entstehungsort noch "Wildermuthhexen".
 
Mehrfach wurde überlegt, ob man nicht aus der Gruppe einen Verein gründen sollte. Anlaß zu dieser Überlegung gab uns auch, daß wir im Jahre 1990 die Absage einer Zunft zur Umzugsteilnahme, bei der wir lange Zeit als "wilde Gruppe" teilnahmen, erhielten - mit der Begründung "Ihr seid kein eingetragener Verein". Da viele "Wildermuthhexen" 1989 mit dem Abitur die Schule verließen und der ursprüngliche Zusammenhalt naturgemäß nicht mehr gegeben war, wurde die Notwendigkeit einer Vereinsgründung immer zwingender, da wir fürchteten die Gruppe würde sich im Sande verlaufen. Die Geburtswehen dauerten noch bis 1993 an. 

Am 11.11.1993 wurden dann endlich die "Tübinger Stadthexa" gegründet.
Die "Tübinger Stadthexa" sind auf 27 aktive Hexen limitiert !!!
Aufgrund von schwerwiegenden Differenzen verließ 1995 ein kleiner Teil der "jüngeren" aktiven Hexen unseren Verein und gründete daraufhin die "Ammerdaalhexen".
Die "Narrenzunft Tübingen e.V." entstand 1996 durch Umbenennung des Vereines der "Tübinger Stadthexa e.V. gegr. 1993", da zwei "neue" Gruppen, die "Tübinger Raupa" und die "Tübinger Närrele", ins Leben gerufen wurden.

 

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